Reinhard hat geschrieben: ↑Mittwoch 2. April 2025, 20:52
Wenn es was gibt, wo man Personen des anderen Geschlechts kennenlernen kann, dann sind da eher die Männer in der Überzahl, so meine Beobachtung. Dass sie im Chor und in der Tanzgruppe eher unter sich sind, scheint eher ein Grund zu sein, da hinzugehen. Männer dürfen auch mitmachen, aber dann sollten sie besser glücklich verheiratet sein und nicht die jungen Chortänzerinnen anmachen ...
Ich habe 11 Jahre lang als Bass in einem gemischten Chor gesungen. Der Frauenüberschuss war exorbitant – wie in fast allen Chören. Nun ist es musikalisch betrachtet auch durchaus vertretbar, dass in Sopran- und Altstimmlagen ein höherer Anteil mitsingt als bei den Männerstimmen. Aber dies mag hier gar nicht Thema sein…
In den 11 Jahren im Chor konnte ich beobachten, dass immer wieder sich Zwei zusammenfanden und sich Paare bildeten. In späteren Chorwochenenden, bei denen es auch Familienmitglieder erlaubt war, mitzufahren, durften wir dann erleben, dass die Nachkommenschaft aus diesen Verbindungen mitgenommen wurde.
Ich bin mir im Allgemeinen zu dieser Frage keineswegs sicher, ob der mangelnde Kontakt von Heranwachsenden zum anderen Geschlecht tatsächlich ein Grund für das vermehrte Singledasein herhalten kann. Es gibt Regionen, Religionen, Gesellschaftsformen in unserer Welt, wo diese Trennung Gang und Gäbe ist und dennoch kaum ein Mensch später alleine bleibt. Man mag dies (auch) mit der Zwangsverehelichung begründen, das wäre aber für mich zu kurz gedacht, da es mitnichten nur radikal-religiöse Tendenzen betrifft.
Zudem war es auch in unserem Land noch sehr lange üblich, dass weitverbreitet die Kontakte zum anderen Geschlecht erst erfahren wurden, wenn „ernste“ Absichten erkennbar waren. Das ging so noch bis weit ins 20ste Jahrhundert, und freundschaftliche Bindungen zwischen Mann und Frau waren zwar akzeptiert, aber klare Ausnahmen.
Ich bin gewiss kein Verfechter dieser vergangenen Verhaltensformen, sie sind für mich aber Grund, zu denken, dass der mangelnde Kontakt zwischen den Heranwachsenden nicht als Begründung für ein AB-Dasein sein dürfte. Die Begründung hierfür ist viel komplexer. Und man darf nicht vergessen, dass dieses Phänomen nur Deutschland umfängt – ein Blick in den fernen Osten lässt da ganz andere Sichtweisen zu, etwa die, dass dort wegen ständiger Arbeitsbereitschaft kaum noch ein freizeitliches Miteinander möglich ist.
Wäre ich imstande, die Gründe (denn es sind derer mehrere) für diese Thematik zu nennen, wäre ich ein Sozialwissenschaftler, der die Formel für Liebe und Zuneigung gefunden hätte. Doch diese Formel wird es niemals geben.