AB und Sportunterricht

Gedanken zum Thema "Absolute Beginner", Erlebnisse und was einem auf dem Herzen liegt
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oldfield2283
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AB und Sportunterricht

Beitrag von oldfield2283 »

Im AB-Treff wurde ein altes Thema wieder ausgegraben (und vermutlich in allerletzter Sekunde vor dem gnadenlosen Löschen gerettet), welches alte Ängste aus dem Sportunterricht aufgreift und dabei Zusammenhänge zum AB-Sein herstellt.
Wobei mir ehrlich gesagt nicht klar ist, was da Ursache und Wirkung ist, aber vielleicht können wir ja auch hier darüber sprechen. Die meisten haben sich ja aus dem alten Treff schon abgemeldet bzw haben dies unmittelbar vor.
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François de La Rochefoucauld
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oldfield2283
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von oldfield2283 »

und ich mache mal den Anfang mit meinem Beitrag dort:

Ich kann die Alpträume von ehemaligen Schülern in Bezug auf Sportuntericht völlig nachvollziehen, daß es mitunter sehr traumatisch oder demütigend gewesen sein muß, wenn man nicht so sportlich war, sich körperlich geschämt hat, immer als letzter gewählt wurde usw. egal ob nun Mädchen oder Junge.
Ich bin alt genug, um noch ein Bildungssystem zu kennen, wo man viel Wert auf die gesamte körperliche und geistige Entwicklung der Kinder gelegt hat und ich erinnere mich gern an meine Sportlehrerinnen und Sportlehrer. Ich erinnere mich auch vieler guter Sachen wie Sportfeste oder Erfolgserlebnisse, verschwitzter aber irgendwie glücklicher Körper und Kinder und ja auch des einen oder anderen Blicks der Jungs auf die Mädchen in der Entwicklung. Aber wie gesagt, es ist immer eine Frage wie man es gemacht hat und ob es gelungen ist, alle mitzuziehen oder zu begeistern und wenn nicht, dann den nicht so Begeisterten wenigestens das Gefühl zu geben, nicht ausgeschlossen zu sein, wenn man eben nicht so leistungsfähig oder begeistert war.
OK, ich habe Leistungssport betrieben - er hat meine Jugend und mein Leben mit kaputt gemacht und es war ein Stück weit mit Ursache für mein AB-Sein. Das konnte ich damals jedoch nicht wissen und als Kind bzw Jugendlicher war ich begeistert. Auch noch in der (dualen) Berufsausbildung, wo ich einerseits selbst mit Tricks gearbeitet habe (Attest gegen das verhaßte Laufen und Springen), andererseits aber auch Spaß und Freude für andere organisiert habe, zB mit einem Judo/Selbsverteidigungskurs für junge Frauen (17-20, also unsere Klassenstufen). Leider war das schlagartig vorbei, ich weiß heute immer noch nicht wie und warum, aber keine der Mädels kam mehr in die Sporthalle, nachdem es so ein Vierteljahr gut gegangen war. In meiner Einfalt und Unschuldigkeit bezog ich das damals auf mich, aber es war glaube ich nur Zufall, denn die gleichen Mädels machten plötzlich auch im regulären Unterricht nicht oder nur widerwillig mit, sie hatten wohl andere Hobbys entdeckt.
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Zwerg
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Zwerg »

Außenseiter war ich so oder so. Da machte der Sportunterricht keinen Unterschied. Wenn die ganze Klasse Fußball spielte ging ich mit einem Klassenkameraden in den Nebenraum und spielte Tischtennis. Wollte keiner mitspielen setzte ich mich eben an den Rand und schaute zu. Wirklich unsportlich war ich gar nicht sondern lediglich nicht bereit, mich von doppelt so schweren Typen umrempeln zu lassen. Geschämt habe ich mich also nicht, sondern nur gelangweilt. Die "Faszination des Fußball" konnte und kann ich nicht nachvollziehen.

Später, als junger Erwachsener, hatte ich endlich Gelegenheit andere Sportarten für mich zu entdecken. Anders als bei oldfield hatte das positive Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung.

Meinem Sohn habe ich geraten einfach ein wenig mitzuballern, ansonsten aber Sportarten zu probieren die wirklich zu ihm passen.
Zuletzt geändert von Zwerg am Dienstag 9. Januar 2024, 14:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Don Rosa
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Don Rosa »

Wir hatten in der 5. oder 6. Klasse in einer externen Turnhalle nur eine gemeinsame Umkleide. Da wurde um den Lichtschalter gekämpft, damit die schüchteren Mitschülerinnen mit sichtbarer Oberweite sich unbeobachtet im Dunkeln umziehen konnten.
Meistens war ich auch einer der letzten bei der Mannschaftsauswahl und schlecht am Stufenbarren, ich sag nur Felgaufschwung. :roll:
In der Mittelstufe und Oberstufe war Volleyball mein Lieblingssport. In den Freistunden haben wir uns die Zeit damit vertrieben und es war immer ein großer Anteil Mitspielerinnen dabei. Wenn man beim Rotieren mal Zuschauer war, dann konnte man die Bewegungsabläufe ihrer Körperteile ähm studieren. :pfeif:
Se ebel Portolkyz!
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Zwerg »

Don Rosa hat geschrieben: Dienstag 9. Januar 2024, 14:14 ... schlecht am Stufenbarren...
Nö, das ging einigermaßen. Ärgerlich wurde es nur, wenn der bescheuerte Sportlehrer wollte, dass ich genauso hoch springen soll (Standhochsprung) wie die anderen. Irre. Da war er vermutlich zu bequem die Latte tiefer zu hängen.

Keinem Mitschüler wäre es eingefallen da "Unsportlichkeit" anzunehmen, so dass es kein Schämen gab.

Meine Sportnoten waren unter solchen Umständen sogar gut. Trotzdem war der Sportunterricht ein einziges Ärgernis.
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Tania
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Tania »

Ich war höchstwahrscheinlich mittelprächtig im Schulsport, aber da ich sonst eine Einserschülerin war, fand ich mich mit Noten(*) um die drei grottenschlecht. Dass ich immer als letzte gewählt wurde, lag zwar wohl am allgemeinen Mobbing, trug aber auch nicht dazu bei, dass sich mein Sport-Selbstvertrauen stärken konnte. Genauso wenig wie der Haufen Goldmedaillen zu Hause in der Schublade ... die waren ja nur vom Schach.

(*) Aufgrund diverser Krankheiten durfte ich viele Dinge im Sportunterricht nicht oder nur mit eingeschränkter Belastung mitmachen. Da der Lehrer mir aber wohl kein weiteres "Ich bin anders, schlagt mich" Schild ankleben wollte, haben wir uns geeinigt, dass ich alles so mitmache, wie ich kann (und notfalls verweigere), und offiziell die entsprechenden Zensuren bekomme. Diese tauchten dann nur nicht auf dem Zeugnis auf. Faszinierenderweise hat nie einer meiner Mitschüler gefragt, wie ich mit den ganzen miesen Sportnoten einen 1.0-Durchschnitt schaffen kann.
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Mit müden Augen »

Don Rosa hat geschrieben: Dienstag 9. Januar 2024, 14:14Wir hatten in der 5. oder 6. Klasse in einer externen Turnhalle nur eine gemeinsame Umkleide.
:shock: Da wäre ich glaube ich gestorben. :oops:
Tania hat geschrieben: Dienstag 9. Januar 2024, 17:27Genauso wenig wie der Haufen Goldmedaillen zu Hause in der Schublade ... die waren ja nur vom Schach.
Was heisst hier "nur"? :hut:
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Cavia »

Ich bin auch immer zuletzt in die Mannschaft gewählt worden. Meine Abneigung gegenüber Ballsportarten ist bis heute geblieben.

Und ich breche mir bestimmt nicht am Reck oder Schwebebalken das Genick. Nope.

Wären Aerobic und Co. damals Teil des Curriculums gewesen, hätte ich vielleicht auch mal Erfolge verbuchen können.
Wenn dir ein Fels vom Herzen fällt, so fällt er auf den Fuß dir prompt! So ist es nun mal auf der Welt: ein Kummer geht, ein Kummer kommt…

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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Automobilist »

Ein Opfer des Turnvaters Jahn - ich ziehe es vor, an diese Zeit nicht mehr zurückzudenken.

Wer jemals auf das gußeiserne Gestell eines " Barrens " gestürzt ist - weiß, wovon ich spreche.

Irgendwelche Ballsportarten interessierten mich niemals - schon gar kein " Fußball ".

Mit Hilfe einer Befreiung habe ich diesen Quark später ausmanövriert - seit dieser Zeit spielt das Wort " Sport " in meinem Leben keine Rolle mehr.

" Schwimmen " war noch übler - ich kann es nicht, punctum. Und Chlorwasser mundet nicht besonders.
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Undomiel »

Ich hatte damals noch die Einstellung "Sport ist Mord". Dementsprechend war der Sportunterricht für mich auch immer die Hölle. Zumal ich konstant mit meiner extrem sportlichen Zwillingsschwester verglichen wurde. Ist nicht gerade förderlich fürs Selbstbewusstsein... Beim Gruppen wählen war ich natürlich auch meist auf dem letzten oder vorletzten Platz. Notentechnisch war es aber trotzdem meist ne drei, manchmal sogar besser. Wirklich gut war ich nur beim Schwimmen, das hat mir tatsächlich auch Spaß gemacht.
Nach der Schulzeit hatte ich dann die Erkenntnis, dass ich eigentlich gar nicht so unsportlich bin. Die Inhalte und die Art des Sportunterrichts waren für mich aber vollkommen unpassend. Ich bin kein Gruppensport-Mensch.
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Settembrini »

Sport ist eines der Schulfächer, die meiner Meinung nach gar nicht benotet werden dürften. Denn für mich bedeutet Schulunterricht, dass Schüler*innen etwas beigebracht werden sollte, was diese / dieser bislang noch nicht konnte. In anderen Fächern wird das zumindest so gehandhabt. In Sport hingegen wurde nach meinen Erfahrungen durch die Lehrkraft niemandem etwas vermittelt, sondern von Beginn an bereits vorhandene Fähigkeiten (dort im körperlichen Bereich) einfach nur zensiert. Techniken wurden nicht erläutert. Tipps zur Verbesserung der eigenen Schaffensmöglichkeit wurden nur sehr selten gegeben. Das Verhöhnen anderer beim Sport stellt für mich die größte Unsportlichkeit an sich dar.
Aus den gleichen Gründen ist für mich auch das Fach Kunst (nicht etwa „Kunstgeschichte“) mitnichten zensierbar. Die Lehrkraft benotet letztendlich ihren eigenen Geschmack, indem sie die Schöpfungen der Schülerschar zensiert. In meiner Schulzeit wurden weder Pinselstrich noch Schraffierungen kunsttechnisch vermittelt.
Zum Schluss kann aus den genannten Gründen für mich auch das Fach Musik nicht unbedingt zensiert werden (außer wiederum bei „Musiktheorie“), denn die Gabe, zu Singen oder das perfekte Gehör sind nicht zensierbar. Wenn das Singen benotet würde, hätte Wolfgang Amadeus Mozart vermutlich im Fach Musik eine schlechte Note erhalten, von dem, was von ihm bekannt ist.

Hinweis zur eigenen Sache: Im Sport gab es Dreien, in Kunst und Musik stets blanke 1en. Dennoch erachte ich das Ganze als keineswegs gerecht.
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Zwerg »

Settembrini hat geschrieben: Donnerstag 11. Januar 2024, 11:07 ..
Du schüttest das Kind mit dem Bade aus. Nun liegen meine geschilderten eigenen Erfahrungen so einige Jahrzehnte zurück und es hat sich vieles geändert. Auch damals gab es aber ein paar Lichtblicke. Beispielsweise hatte ich die Möglichkeit an dem unserer Grundschule unmittelbar angeschlossenen kleinen Hallenbad das Schwimmen zu lernen. Wer sonst hätte mir das damals beigebracht?

Man kann selbstverständlich über die Qualität des Sportunterrichts im Allgemeinen und auch im Einzelfall diskutieren. Die Abschaffung von Noten wäre da aber der falsche Ansatz. Kinder wollen Vergleiche und sie wollen auch dass ihre Anstrengungen, ihre Bemühungen gewürdigt werden. Übrigens hat Sport etwas mit Gesundheitserziehung zu tun. Gerade in diesem Bereich aber gibt es zunehmende Defizite.

Für jemand der übrigens seine eigenen Leistungen in Kunst und Musik als unterirdisch bezeichnen würde hatte ich in beiden Fächern passable Noten. Unter dem Strich ist zu vermuten, dass fast alle Lehrer in diesen Fächern, die in den meisten Fällen für das Vorrücken ja irrelevant sind, die Benotung zur Motivationssteigerung der Schüler nutzen, d. h. nur gute Noten verteilen. Das ist auch richtig so.

PS: Wir reden hier nicht von Sonderfällen, also z.B. einer Spezialisierung an der Oberstufe des Gymnasiums (hab selbst nie eins von innen gesehen :D ), die es in anderen Schularten so übrigens gar nicht gibt.
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Tania
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Tania »

Zwerg hat geschrieben: Donnerstag 11. Januar 2024, 13:31 Man kann selbstverständlich über die Qualität des Sportunterrichts im Allgemeinen und auch im Einzelfall diskutieren. Die Abschaffung von Noten wäre da aber der falsche Ansatz. Kinder wollen Vergleiche und sie wollen auch dass ihre Anstrengungen, ihre Bemühungen gewürdigt werden.
Naja ... vergleichen könnten sie ja auch die Zeiten / Weiten / Höhen. Man braucht nicht zwingend eine Zensur, um zu erkennen, wer zuerst durchs Ziel läuft und wer die meisten Körbe wirft.

Und die Anstrengungen und Bemühungen werden ja gerade nicht gewürdigt. Wenn ein fittes Kind nach der Stadionrunde nach 5 Minuten locker durchs Ziel joggt, und 3 Minuten später der 20kg schwerere Klassenkamerad schweissüberströmt und keuchend ankommt - wer hat sich dann mehr angestrengt? Und wer die höhere Leistung erbracht hat, ist nicht mal erwiesen ... physikalisch wird sie nämlich nicht nur anhand der Zeit, sondern auch anhand der Masse berechnet. Dieselben Standards für Sportler jeder Masse anzusetzen, ist schon daher unfair.

Ich bin durchaus für Schulsport - aber eben nicht für Zensuren, sondern für die Gesundheit. Dann auch gern öfter als 90min/Woche.

Mir ist tatsächlich mal eine Grundschullehrerin begegnet, die es geschafft hat, das Benotungsdilemma zu umgehen. Sie hat zwar jede Leistung entsprechend der amtlichen Tabellen benotet, zusätzlich aber wann immer möglich Zusatznoten für "Anstrengung", "Durchhalten" oder "Teamgeist" vergeben. So hatte auch der langsame Läufer einen Grund, den Kilometer zu laufen, obwohl am Ende die Zeit eh nur für eine 5 reichen würde. Für "die ganze Strecke laufen" gab es dafür eine 1 in "Durchhalten". Und beim Fussball wurde der starke Spieler durch die "Teamgeist"-Note motiviert, den Ball auch mal abzugeben und nicht immer allein durchzulaufen.
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Settembrini »

Zwerg hat geschrieben: Donnerstag 11. Januar 2024, 13:31 Man kann selbstverständlich über die Qualität des Sportunterrichts im Allgemeinen und auch im Einzelfall diskutieren. Die Abschaffung von Noten wäre da aber der falsche Ansatz. Kinder wollen Vergleiche und sie wollen auch dass ihre Anstrengungen, ihre Bemühungen gewürdigt werden. Übrigens hat Sport etwas mit Gesundheitserziehung zu tun. Gerade in diesem Bereich aber gibt es zunehmende Defizite. (...)
Ich denke schon, dass man Sportunterricht erteilen kann, ohne Noten zu vergeben.
Ein Beispiel hierfür sind die Waldorf-Schulen, in denen nach meiner Kenntnis Noten auch in anderen Fächern bis zur 8.Klasse nicht vergeben werden.

Und bevor ich missverstanden werde: Den Schulsport als solchen möchte ich keineswegs abschaffen. Er könnte nach meinem Dafürhalten nur anders gestaltet und vor allem anders gelehrt werden, denn Deine guten Erfahrungen vom Schwimmunterricht werden leider nicht alle ehemaligen Schüler teilen können. :sadman:
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Zwerg »

Settembrini hat geschrieben: Freitag 12. Januar 2024, 11:15 ...
Nun bin ich etwas Waldorf-skeptisch. Nicht so sehr wegen des so häufig in der Kritik stehenden Weltbildes das in diesen Schulen vermittelt wird, sondern weit mehr weil sich in Relation des hohen Aufwandes und Engagements von allen Seiten, auch der Herkunft der Kinder (positiv gemeint!) das da hinein gesteckt wird die Resultate vergleichsweise bescheiden ausnehmen. Das kann man, mit guten Gründen, selbstverständlich auch völlig anders sehen, wenn schon "Resultat" eine Definitionsfrage ist und die Reduzierung darauf zu kurz greift.

Wenn Du also generell Benotungen gegenüber skeptisch bist und deren Abschaffung -wie derzeit diskutiert- auch sinnvoll findest gilt das sicher erst Recht für den Sportunterricht.
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Settembrini »

Sport, Musik und Kunst gelten und galten als Nebenfächer.
Bei anderen Schulfächern sehe ich das anders. Dort ist eine Benotung durchaus nichts Ungerechtes oder Verwerfliches. Denn dort wird, im Gegensatz zu meinen drei Beispielen aus meiner eigenen Schulzeit, tatsächlich Wissen vermittelt, das nach Skalen bewertbar ist.

Meine Skepsis bezieht sich nur auf die genannten Nebenfächer. Denn dort ist die Vermittlung zu sehr abhängig vom Geschmack der Lehrkraft (Kunst), von der körperlichen Begabung der Schüler (Singen) oder aber – und das ist hier das eigentlich Thema dieses Threads – von den jeweiligen Begabungen der Lehrkraft, nicht nur nach Tabellen bereits vorhandene körperliche Fähigkeiten zu bewerten oder vom Glück oder Unglück Einzelner, was sportliche Farinas durch ebendiese Lehrkraft oder die reizenden Mitschüler angeht.
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von time4change »

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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von oldfield2283 »

Ich ziehe mal ein Zwischenfazit. Es gibt keinen deterministischen Zusammenhang zwischen Spaß im Sport in der Schule und späterem AB-Sein. Hat Spaß/war gut in Sport -> kann später auch Frauen begeistern und Spaß haben, ist nur eine von vier logischen Entscheidungstabellen-Einträgen. Es kann auch anders herum kommen. So oder so. Lediglich die Rolle zur Fitness, zur Körpererzehung und zum Lernen von Gemeinschaftswerten oder Erreichen von Erfolgserlebnissen kommt mir etwas kurz. Aber da sind wir ja doch schon fast beim AB Thema oder
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Tania »

Settembrini hat geschrieben: Freitag 12. Januar 2024, 11:15 Den Schulsport als solchen möchte ich keineswegs abschaffen. Er könnte nach meinem Dafürhalten nur anders gestaltet und vor allem anders gelehrt werden ...
Ich weiß nicht, wie Deine aktuellen Erfahrungen mit Schulsport sind. Nach meinem (leider nur eine Grundschulen, ein Gymnasium und eine Gesamtschule in einem Bundesland betreffend) hat sich bereits einiges geändert. Zum Beispiel eine Sport-Klausur in jedem Semester von Klasse 11 und 12, mit denen zumindest zensurentechnisch einiges, was körperlich nicht da ist, durch Fleiß ausgeglichen werden kann. Und da pro Semester nur eine Sportart gemacht wird, ist sogar ein gewisser Trainingseffekt möglich.

Trotzdem fürchte ich, dass Deine Erfahrungen nicht nur damals, sondern auch heute von vielen Schülern geteilt werden. Im Sportunterricht wird zwar inzwischen auch Technik vermittelt - aber man muss ja nicht nur begreifen "beim Hochsprung langsam im spitzen Winkel anlaufen, beim Weitsprung möglichst schnell und gerade", man muss es auch körperlich umsetzen. Dabei hat jeder Schüler anderes "Talent" - aber das könnte ich noch akzeptieren. Es hat ja auch nicht jeder dasselbe Talent für Mathe, Sprachen etc. Nur gibt es in den Nicht-Sport-Fächern sehr viel Zeit zum "trainieren" - für Sport (und die anderen von Dir genannten Nebenfächer) sind hingegen meist nur 90 Minuten pro Woche eingeplant. Und das aus organisatorischen Gründen und wegen der Umziehzeit etc. oft als Doppelstunde. Wenn für Mathe und Deutsch ähnlich viel Zeit zur Verfügung stände, wären die Lernerfolge wahrscheinlich auch extrem überschaubar ...

Aber letztendlich stört mich am Sportunterricht weniger die Benotung, und mehr die Tatsache, dass viel zu selten wirklich Freude an der Bewegung vermittelt wird. Und dass ein gesundheitsfördernder Effekt kaum erreicht wird. Ich würde mir Schulen wünschen, in denen für alle Schüler genug frei wählbare Indoor- und Outdoor-Spiel- und Sportmöglichkeiten sind, die auch ohne Lehreraufsicht benutzt werden dürfen - auch in Freistunden, Hofpausen, nach dem Unterricht und an Wochenenden und in den Ferien. Ich würde mir längere Hofpausen wünschen, mit Handyverbot und Bewegungspflicht. Ich würde mir gerade in Grundschulen mit Hort und in Ganztagsschulen mehr Personal wünschen, das die Kinder trainiert und motiviert und anleitet. Ich würde mir wünschen, dass besonders darauf geachtet wird, dass jeder mitmachen kann und es keine Ausgrenzung gibt. Wenn ich ganz unbescheiden bin, wünsche ich mir für jede Schule ein eigenes kostenloses Hallenbad mit Außenbecken und Wasserrutschen. Und eine Trampolinhalle. Gern dürften diese Einrichtungen dann auch zu bestimmten Zeiten von den umliegenden Einwohnern genutzt werden.

Es gibt ja genug Dinge, die Spaß machen und die gleichzeitig in Bewegung halten. Es gibt nur (wie üblich) nicht genug Geld und Personal :sadwoman: Aber schon ein Basketballkorb oder eine Tischtennisplatte auf dem Schulhof sind ein Anfang ...
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Re: AB und Sportunterricht

Beitrag von Automobilist »

Tania hat geschrieben: Freitag 12. Januar 2024, 15:27
Aber letztendlich stört mich am Sportunterricht weniger die Benotung, und mehr die Tatsache, dass viel zu selten wirklich Freude an der Bewegung vermittelt wird. Und dass ein gesundheitsfördernder Effekt kaum erreicht wird. Ich würde mir Schulen wünschen, in denen für alle Schüler genug frei wählbare Indoor- und Outdoor-Spiel- und Sportmöglichkeiten sind, die auch ohne Lehreraufsicht benutzt werden dürfen - auch in Freistunden, Hofpausen, nach dem Unterricht und an Wochenenden und in den Ferien. Ich würde mir längere Hofpausen wünschen, mit Handyverbot und Bewegungspflicht.
Wie sollte man " Freude an der Bewegung " " vermitteln " - wenn sie einfach nicht da ist ? Per " ACO " ?Auch, wenn es die von Dir genannten " Spiel - und Sportmöglichkeiten " denn gegeben hätte - ich hätte sie gemieden wie der Teufel das Weihwasser....und zu meiner Schulzeit gab es keine Mobiltelephone.
Deine Hofpause mit Bewegungspflicht erinnert eher an Runden im Gefängnishof - dort war ich nie, stelle es mir aber so vor....
Auch als Kind hätte mich niemand zum " rennen " gebracht - und schon gar nicht zum " klettern ", das konnte und kann ich überhaupt nicht.
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